top of page

Was, wenn da noch mehr ist?

11. Sept.
4 Min. Lesezeit

Wie wir mit beruflicher Unsicherheit und Zukunftssorgen umgehen können, ohne den Blick für unsere Möglichkeiten zu verlieren.


Vor ein paar Tagen lag ich abends im Bett und las Nachrichten.

Zuerst ging es um neue Sparziele bei VW, dann um Personalabbau und mögliche Werksschließungen. Dazu kamen die vielen anderen Nachrichten über Krieg, politische Entwicklungen und Angriffe auf unsere Infrastruktur.


Zusammen wurden die Meldungen zu einem Gedankenkarussell, das sich auch dann noch weiterdrehte, als ich mein Handy längst weggelegt hatte.


Irgendwann fragte ich mich nicht mehr, was das für VW oder Audi bedeutet, sondern was es für mich bedeuten könnte.


Wie sicher ist mein Arbeitsplatz eigentlich noch? Was passiert, wenn die Veränderungen irgendwann auch mich betreffen?

Und was mache ich dann mit 51?


Diese Fragen sind nicht unbegründet. Dinge können sich verändern, und niemand kann mir versprechen, dass alles bleibt, wie es heute ist.


Aber in dieser Nacht bemerkte ich, wie schnell mein Kopf aus einer Möglichkeit eine vermeintliche Gewissheit gemacht hatte. Noch war nichts entschieden. Trotzdem war ich gedanklich schon viel weiter.


Manchmal ist nicht nur das schwer, was gerade tatsächlich ist.

Schwer ist auch all das, was unser Kopf daraus macht.


Wir versuchen vorauszudenken, Möglichkeiten abzuwägen und vorbereitet zu sein.

Eigentlich ist das etwas sehr Vernünftiges. Nur manchmal sind unsere Gedanken längst drei Schritte weiter als die Realität.



Wenn die Sorge das ganze Bild wird


In solchen Momenten sehne ich mich nach Ruhe, nach Meer und nach einem Horizont, der weiter ist als meine Gedanken.


Vielleicht hilft mir deshalb auch meine Kamera.

Beim Fotografieren entscheide ich mich für einen Ausschnitt.


Durch den Sucher sehe ich vielleicht nur ein paar dunkle Gräser im Wind.

Nehme ich die Kamera herunter, sind da auch der Strand, das Meer und der weite Himmel.


Die Gräser waren nicht weniger wirklich.


Sie waren nur nicht das ganze Bild.


Mit unseren Sorgen ist es manchmal ähnlich.

Was uns beschäftigt, ist da und darf auch da sein.


Aber manchmal wird dieser eine Ausschnitt so groß, dass wir kaum noch wahrnehmen, was ebenfalls da ist.


Auch die Welt besteht nicht nur aus den Nachrichten, die uns gerade Sorgen machen.


Während irgendwo etwas ins Wanken gerät, entstehen an anderer Stelle neue Ideen. Menschen helfen einander, finden Lösungen, verändern Dinge, beginnen neu.


Vieles davon ist nur nicht so laut.


Vielleicht tut es deshalb manchmal gut, die Kamera – im übertragenen Sinn – wieder herunterzunehmen.


Nicht, um wegzusehen: Sondern um mehr zu sehen.



Berufliche Unsicherheit: Was ist gerade wirklich da?


Vor Kurzem sagte eine Klientin (nennen wir sie Katrin) in einem Coaching zu mir:

„Ich muss wissen, was ich tun soll, wenn ich meinen Job verliere.“


Katrin ist Mitte 40 und arbeitet seit vielen Jahren in einem größeren Unternehmen, in dem gerade gespart und umstrukturiert wird.


Sie hatte bereits Stellenportale durchsucht, über Weiterbildungen nachgedacht und verschiedene Ideen für einen Plan B gesammelt.


Keine davon fühlte sich richtig an. Je mehr sie suchte, desto größer wurde der Druck.


Ich legte zwei Blätter vor sie auf den Tisch.


Auf das erste schrieb Katrin:

Was weiß ich wirklich?


Das Unternehmen spart.

Projekte werden hinterfragt.

Aufgaben verändern sich.

Wie ihre Stelle in zwei Jahren aussieht, weiß sie nicht.


Auf dem zweiten Blatt stand:

Was erzählt mir mein Kopf?


Das füllte sich deutlich schneller.


Meine Stelle fällt weg.

In meinem Alter finde ich nichts Vergleichbares mehr.

Ich habe zu lange gewartet.

Ich brauche sofort einen Plan B.


Katrin schaute auf die beiden Blätter.

Vor ihr lag plötzlich getrennt, was sich in ihrem Kopf längst miteinander vermischt hatte: das, was sie tatsächlich wusste – und das, was möglicherweise passieren könnte.


Ihre Sorge war dadurch nicht verschwunden.

Die Veränderungen in ihrem Unternehmen waren real.

Aber sie waren nicht mehr das ganze Bild.


„Und wenn wir für einen Moment nichts lösen müssten – was brauchst du gerade?“, fragte ich sie.


Ruhe“, sagte sie nach einer Weile. „Ich glaube, ich muss erst einmal wieder schlafen.“


Das war kein Plan B.

Aber es nahm den Druck heraus, heute schon eine Antwort auf etwas finden zu müssen, das noch gar nicht entschieden war.


Und von dort aus konnten wir weitersehen:

Was lag tatsächlich in ihrer Hand?


Ein Gespräch über die Zukunft ihres Bereichs.

Ein Blick auf Möglichkeiten innerhalb und außerhalb des Unternehmens und auch auf das, was Katrin in all den Jahren gelernt, gestaltet und bewältigt hatte.


Aus Was passiert mit mir? wurde langsam eine andere Frage:

Was kann ich tun?


Und noch etwas bekam Platz:

Vielleicht musste Veränderung nicht ausschließlich Verlust bedeuten.

Vielleicht würde Katrin irgendwann etwas ausprobieren, für das bisher nie der richtige Zeitpunkt war. Vielleicht würde sie feststellen, dass nicht alles, was sie heute festhalten wollte, noch zu ihr passte.


Das machte die Unsicherheit nicht plötzlich gut.


Aber neben dem möglichen Verlust stand nun auch eine Möglichkeit.


Katrins Plan B war am Ende nicht fertig. Aber sie hatte einen nächsten Schritt.



Raus aus dem Grübeln


Genau das ist für mich der Unterschied zwischen Grübeln und Handeln.


Ich kann nicht entscheiden, wie sich ein Unternehmen, die Politik oder die Welt entwickelt.

Aber ich kann schauen, wo mein eigener Handlungsspielraum beginnt.


Und manchmal verändert allein das schon etwas: Ich bin dem, was kommt, nicht nur ausgeliefert.

Für mich steckt darin Zuversicht. Nicht in einem schnellen „Das wird schon“, sondern in dem Vertrauen, dass eine offene Zukunft nicht automatisch eine schlechte Zukunft ist.



Vielleicht reichen manchmal zwei Blätter


Wenn du merkst, dass deine Gedanken längst weiter sind als das, was gerade tatsächlich passiert, nimm dir vielleicht wirklich zwei Blätter.


Auf das eine schreibst du:

Was weiß ich wirklich?


Auf das andere:

Was erzählt mir gerade mein Kopf?


Vielleicht löst das noch gar nichts. Aber manchmal verändert sich etwas, wenn vor uns liegt, was vorher ungeordnet in unserem Kopf war.


Und dann kommt noch eine Frage dazu:

Was davon kann ich heute beeinflussen?


Vielleicht ist die Antwort kein großer Plan.

Vielleicht ist es nur ein nächster Schritt.


Und vielleicht wird dann auch wieder sichtbar, was neben der Sorge ebenfalls da ist:


Menschen, die uns tragen.

Erfahrungen, auf die wir vertrauen können.

Möglichkeiten, die wir heute noch gar nicht sehen.


Vielleicht gehört zum Leben in den eigenen Farben auch das:


Das Dunkle nicht zu übermalen.

Hinsehen, wenn etwas schwierig ist.

Ernst nehmen, was ist.

Und handeln, wo wir etwas verändern können.


Aber dabei das Helle nicht aus den Augen verlieren.

Denn auch das ist da.


1 Kommentar

Mit 0 von 5 Sternen bewertet.
Noch keine Ratings

Rating hinzufügen
Gast
13. Sept.
Mit 5 von 5 Sternen bewertet.

Sehr lebensnah und hilfreich für das bewegte Leben dieser Zeit.

Gefällt mir

KONTAKT Coaching Ingolstadt

Wunderbar Wandelbar | Coaching by Nadine Stickel

Paul-Rauscher-Strasse 13c

85055 Ingolstadt

​​

Tel.: +49 151 432 832 65​​

coaching@wunderbarwandelbar.com

  • LinkedIn
  • Schwarzes Instagram-Symbol
  • Whatsapp

Danke für deine Nachricht!

Bei Wunderbar Wandelbar findest du Coaching und Angebote rund um persönliche und berufliche Neuorientierung in Ingolstadt sowie online. 

© 2026 Wunderbar Wandelbar Coaching by Nadine Stickel

Impressum     Datenschutz     

bottom of page