
Wo ist mein Gelb hin?
- Nadine

- 25. Mai
- 3 Min. Lesezeit
Vor ein paar Tagen hat eine Freundin zu mir gesagt:
„Wo ist eigentlich dein Gelb hin?“
Und irgendwie hat mich dieser Satz mehr getroffen, als ich erwartet hätte.
Denn sie meinte damit nicht einfach eine Farbe auf meiner Website.
Sie meinte etwas anderes.
Als ich Wunderbar Wandelbar gestartet habe, war vieles intuitiver. Wärmer. Leichter.
Meine Website war nicht perfekt positioniert, nicht geschniegelt und vielleicht auch nicht besonders strategisch. Aber sie war nah an mir.
Mit der Zeit wurde alles professioneller. Klarer. Businessmäßiger.
Ich wollte seriös wirken, erwachsen, eindeutig.
Und plötzlich sah vieles gut aus – aber nicht mehr wirklich nach mir.
Vielleicht kennst du das auch.
Man beginnt irgendwann, sich selbst zu glätten. Nicht bewusst. Ganz schleichend.
Man überlegt mehr, wie etwas wirkt. Was passend ist. Was professionell aussieht. Was andere erwarten.
Und irgendwann merkt man:
Man zeigt zwar noch sich selbst – aber nur noch die Version, die möglichst gut funktionieren soll.
Ein Morgen am See
Heute hatte ich frei. Keine Termine, kein Druck.
Ich durfte ausschlafen, habe zuhause etwas Zeit mit meinen Tieren verbracht, mir später einen Cappuccino und ein Croissant geholt und bin an den See gefahren.
Schon auf dem Weg dorthin wurde alles ruhiger.
Ich habe lange mit meinen Eltern telefoniert und dieses Gespräch war einfach schön – herzlich, liebevoll und wertschätzend.
Am See angekommen bin ich erst eine Runde gelaufen.
Die Frösche haben gequakt, irgendwo war ein Specht zu hören, ein Eichhörnchen huschte vorbei.
Ich habe Blindschleichen gesehen, Vögel beobachtet und irgendwann einen Zitronenfalter.
Danach saß ich einfach da, blickte aufs Wasser und hatte plötzlich dieses Gefühl, wie gut sich ein einfacher Moment anfühlen kann.
Nicht spektakulär.
Nicht perfekt.
Aber echt.

Eine Begegnung, die nachhallt
Später traf ich einen Mann mit mehreren Hunden.
Zwei davon hatten nur drei Beine, ein weiterer saß in einem Wagen, den er schob.
Die Hunde wirkten glücklich.
Wir kamen ins Gespräch, erst über die Hunde, dann über Fotografie und auch ein bisschen über das Leben.
Irgendwann sprach er darüber, dass er sich heute um diese Tiere kümmert und sie adoptiert hat.
Als wir uns verabschiedeten, sagte ich zu ihm:
„Toll, dass Sie diesen Tieren das Leben schöner machen.“
Und dann antwortete er etwas, womit ich nicht gerechnet hatte:
„Ich bin nicht per se ein guter Mensch.
Ich habe in meinem Leben sicher auch Menschen verletzt. Vielleicht mache ich gerade etwas gut.“
Dieser Satz war nicht perfekt. Nicht glatt. Nicht geschniegelt.
Aber genau deshalb ist er mir hängen geblieben.
Weil er nichts darstellen wollte.
Keine perfekte Rolle.
Keine Selbstinszenierung.
Keine schöne Geschichte.
Sondern einfach Ehrlichkeit.
Und vielleicht hat mich genau das heute so berührt.
Dass echte Menschen oft viel mehr Tiefe haben als jede perfekte Fassade.
Vielleicht sehnen wir uns mehr nach Echtheit als nach Perfektion
Auf dem Heimweg habe ich gemerkt, wie glücklich ich gerade bin.
Nicht wegen etwas Großem.
Sondern wegen dieser zwei Stunden.
Wegen der Natur.
Wegen der Gespräche.
Wegen der Ruhe.
Wegen dieses Gefühls, einfach da sein zu dürfen.
Und vielleicht auch, weil ich verstanden habe, worum es mir eigentlich geht.
Nicht darum, perfekt zu wirken.
Nicht darum, eine bestimmte Rolle besonders gut zu erfüllen.
Nicht darum, ständig kontrolliert oder professionell zu erscheinen.
Sondern darum, echt zu bleiben.
Mit Wärme.
Mit Persönlichkeit.
Mit Ecken.
Mit Gefühlen.
Mit allem, was einen Menschen eben ausmacht.
Mein Gelb ist zurück
Als ich später zuhause meine Website angesehen habe, wusste ich plötzlich, warum sich die Veränderungen der letzten Tage so richtig anfühlen.
Nicht, weil jetzt irgendwo wieder mehr Gelb zu sehen ist.
Sondern weil ich aufgehört habe, etwas darstellen zu wollen.
Weil sich meine Website wieder mehr nach mir anfühlt.
Wärmer. Ehrlicher. Lebendiger.
Und vielleicht ist genau das die Art von Veränderung, die wirklich etwas bewegt:
Nicht jemand anderes zu werden.
Sondern mutig genug zu sein, wieder mehr man selbst zu sein.
Vielleicht kennst du dieses Gefühl auch.
Dass man irgendwann angefangen hat, sich anzupassen.
Glatter zu werden. Funktionaler. Professioneller.
Und dass dabei etwas leiser geworden ist, das eigentlich zu einem gehört.
Nicht unbedingt eine Farbe.
Aber vielleicht:
mehr Leichtigkeit.
mehr Ehrlichkeit.
mehr Wärme.
mehr du selbst.
Vielleicht brauchen wir manchmal keine große Veränderung.
Sondern nur den Mut, wieder mehr wir selbst zu sein. 🦋 🌱 💛 📷



Wow, das hat mich sehr berührt. Genau danach sehne ich mich auch so sehr. Vor allem im Job. Einfach ich selbst sein dürfen. Mit allen Macken, Ecken und Kanten. 💕